Ev.-luth. Kirchengemeinde Elverdissen

Elverdissen - woher kommt das eigentlich?

Die erste urkundliche Erwähnung des Raumes Elverdissen stammt aus dem Jahre 1151. Bischof Bernhard I von Paderborn nannte den Ort Hildewalessen, eine spätere Schreibweise ist Hildewoleshusen. Beide bezeichnen die Bauerschaft Hillewalsen, welche aus drei Bauerhöfen bestand, die der Abtei Herford abgabepflichtig waren.
Die erste Bezeichnung Elverdissens findet sich in einer Heberolle der Abtei Herford, etwa aus dem Jahre 1160. Hier wird der Ort Elffliste genannt, was mit einiger Sicherheit auf die Worte Elff (Fluß, gemeint ist wohl die Aa)  und liste (lithe was einen Abhang bezeichnet) zurückführen lässt.
1274 wird Elfliste und 1496 Elverdissen als Schreibweise verwendet.

Ahmser Fehde, Reformation und Siebenjähriger Krieg

Bis in die Reformationsjahre war auch Elverdissen in das feudale Besitz- und Abgabensystem eingebunden. Die Wirren dieser Reformationsjahre führten dazu, dass die Herforder Heide landwirtschaftlich nicht mehr genutzt wurde. Johan von Exter und Detring von Vinnen nahmen sie nun jeder für sich in Anspruch, da die Grenzsituation zwischen Herford und Lippe nicht gekärt war. Diese Grenze bildete eigentlich der Schnatbach. Daraus entwickelte sich die 'Ahmser Fehde', die von 1536-1541 dauerte und durch eine eindeutige Grenzfestlegung zu Herfords Gunsten beigelegt wurde (siehe auch 'Schnatgang').

Durch den siebenjährigen Krieg wurden ganze Landstriche verwüstet. Friedrich II wollte durch Umsiedlungen das Elend der Nachkriegszeit mildern und einen Wiederaufbau einleiten.

Die Durlacher

Unabhängig von den Bemühungen Friedrich II verlegte Marktgraf Wilhelm von Baden-Durlach im Jahre 1715 von Durlach seine Residenz an den Rand des Schwarzwaldes. Dies führte zum Aufschwung Karlsruhes und zur stetigen Verarmung und Verelendung Durlachs.
Beides zusammen führte nun dazu, dass sich 1771 elf auswanderungswillige Durlacher und vier weitere Familien in Elverdissen neu ansiedelten. Insgesamt 530 Personen, davon 15 über 60 und 155 unter 12 Jahren alt (gem. Mühlenregister des Amtes Sparrenburg, Vogtei Heepen).
Diese Familien siedelten in der Herforder Heide und wurden mit je 10 Morgen Land und 15 steuerfreien Jahren beschenkt.
Das Brauchtum und die Namen dieser Durlacher Familien gingen, mit Ausnahme des Namens Ehrlich, aus dem Ehrler wurde, im Laufe der Jahre verloren. Der Strassenname 'Auf der Reihe' bezeichnet aber noch heute die Siedlungsweise der damaligen Kolonisten. Ein weiterer Hinweis ist der 'Durlacher Weg'.
1791 erfolgte der rechtliche Abschluß der Gemeinheitsteilung Fridrichs II der Herforder Heide. Vorher hatte das Weiderecht der Herforder Altstadtbürger die Besitzverhältnisse bestimmt, wovon der 'Viehtriftenweg', der den Viehweg Richtung Elverdissen bezeichnet, zeugt.

Wirtschaftliche Entwicklung

Die preussische Regierung gründete im Heuerlingshaus Nr. 2 eine Spinnereischule, jedoch machte sich die durch die Mechanisierung ausgelöste Krise während der 1840er Jahre auch in Elverdissen bemerkbar. Hunger und Armut bestimmten das Leben und veranlassten einige Elverdisser Familien dazu, nach Amerika auszuwandern.
Neben der Mechanisierung bestimmten auch einige Missernten, sowie eine überdurchschnittlich stark ansteigende Bevölkerungszahl das Leben in Elverdissen.
Der Bau der Köln-Mindener Eisenbahn schaffte leider auch nur kurzzeitig Arbeitsplätze.
Dies führte sogar dazu, dass sich im Revolutionsjahr 1848 einige Bürger zusammenschlossen um grössere Bauernhöfe zu überfallen, was aber durch heranrückendes Militär vereitelt wurde.

Kurze Zeit später, 1865, wird Elverdissen allerdings als wohlhabend bezeichnet. Dieser schnelle Wandel gelang durch die Ansiedlung von Industrie; Elverdissen profitierte, wie viele andere Orte und Gemeinden auch, hier durch den wirtschaftlichen Aufschung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Elverdissen wurde sozusagen zu Herfords erstem Industriegebiet. Einher mit der Industrialisierung wurde Elverdissen durch einen intensiven Strassenbau seit den 1870er Jahren an Herford angekoppelt.
1911 wurden Teile Elverdissens an das Netz der Ravensberger Elektrizitätswerke angeschlossen.
Nach etwa einjähriger Bauzeit wurde, während des ersten Weltkrieges, die evang. Friedenskirche am 27.5.1915 fertiggestellt und eingeweiht, womit die kirchliche Loslösung von Herford gelungen war.

Der Kirchbau

Die Planungen zu einer Kirche in Elverdissen begannen schon wesentlich eher, datierend auf etwa 1910 tauchen die ersten diesbezüglichen Schriftwechsel in den Archiven auf. Die Idee einer eigenen Kapelle oder Kirche ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Elverdisser Einwohner zum Pfarrbezirk der Münsterkirche gehörten und das Gros der Elverdisser einen Kirchweg von mehr als 6km hatte. Dazu kam der relative Wohlstand der Bürger. 

Diese Kombination führte zum Wunschder Elverdisser eine eigene Kapelle, bzw. eine eigene Kirche im Dorf haben zu wollen. Parallel dazu gab es auch eine starke Gruppe aus dem Ort, wie auch aus Herford, die der drohenden 'Abspaltung' ablehnend gegenüberstand. Nach einigem Taktieren setzte sich jedoch der selbstbewusste Ortsteil durch und der Kirchbau begann Ende April 1914, der Grundstein wurde am 1. Juni 1914 gelegt und die Einweihungsfeier der Kirche fand am 27. Mai 1915 statt.
Bis zum Baubeginn wurden die Pläne mehrfach revidiert. Vorbild für den Bau war die Deutsche Kirche in Gordone (Italien), die jedoch keinen Glockenturm, sondern einen Dachreiter hatte. Kurz vor Baubeginn wurden die Baupläne dann noch um einen Glockenturm ergänzt.

Bemerkenswert dabei ist die große Solidarität der Elverdisser: die Kirche wurde vollständig von ihnen selbst bezahlt, lediglich Geläut und Altarbibel sind 'Fremdgaben'.

Dunkle Zeiten, Lichtblicke und Selbständigkeit

Nach Beendigung des Kirchbaus gab es noch kein Pfarrhaus, so dass die Elverdisser Pfarrer sich eine Wohnung suchen mussten. Trotz Inflation und Wirtschaftskrise finanzierten die Elverdisser auch hier wieder einen großen Teil selbst, so dass am 2. August 1928 der Grundstein des Pfarrhauses gelegt werden konnte. Während der Rohbau schon im Herbst 1928 vollendet werden konnte, zog sich der Innenausbau noch bis in den Herbst 1929, so dass es erst im Januar 1930 von Hilfsprediger Wittenberg bezogen werden konnte.

Ab 1933 war die evangelische Kirche gespalten. Traten einerseits die 'Deutschen Christen' für den NS Staat ein und wurden auch Mitglieder in seinen Organisationen, gab es andererseits die 'Bekennenden Christen'. Letztere waren aber in Elverdissen keiner Verfolgung ausgesetzt.
Bei den kirchlichen Vereinen änderte sich jedoch vieles. Einige wurden verboten, andere aufgelöst, der Rest gleichgeschaltet. So wurde auch die Jungschar des CVJM Elverdiissen 1934 zusammengerufen und marschierte zum Gasthof Ehrler. Dort wurden die Leiter des CVJM für abgesetzt erklärt, eine Hakenkreuzfahne übergeben und alle als 'Hitlerjugend' bezeichnet. Alle wurden so HJ-Mitglieder, ohne einen Antrag unterschrieben zu haben. Aus Wanderungen wurden Märsche, aus Geländespielen wurde Exerzieren ...
Ab 1945 konnte sich die Kirche dann wieder ihrer eigentlichen Aufgabe widmen.

Am 1. April 1956 wurde die Kirchengemeinde von der Münstergemeinde Herford getrennt und damit selbständig. Pfarrer blieb Pastor Friedrich Valldorf bis zu seinem Tod am 7.1.1966.

Nachfolger wurden Pastor Engel, Pastor Beckmann und Pastor Große.

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